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FILMFEST MÜNCHEN MAGAZIN 2017

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MO, 26.6. 14.30 UHR HFF

MO, 26.6. 14.30 UHR HFF KINO 1 CINEMERIT AWARD — BRYAN CRANSTON 28 SA, 24.6. 22.30 UHR HFF KINO 1 MALCOLM MITTENDRIN MALCOLM IN THE MIDDLE USA 2000 • Showrunner Linwood Boomer Darsteller Frankie Muniz, Bryan Cranston, Jane Kaczmarek, Erik Per Sullivan, Justin Berfield • Länge vier Folgen, 80 Min. • OF THE INFILTRATOR USA 2016 • Regie Brad Furman • Darsteller Bryan Cranston, John Leguizamo, Diane Kruger, Yul Vazquez, Benjamin Bratt Länge 127 Min. • OF gerade dorthin zu gehen, wo es weh tut. Indem er Crystal Meth kocht, will Walt seine Familie für die Zeit nach seinem Krebstod absichern – und erliegt doch einem ganz selbstbezogenen Bedürfnis nach Anerkennung. „Ich fühlte mich wirklich lebendig“, wird er gegen Ende seiner Frau Skyler sagen. Zur Steigerung der Lebensintensität kann man schon mal ein Drogenboss werden. Oder Undercover-Cop. Oder Schauspieler. Den Weg aus der Komfortzone hat Cranston immer wieder gewagt, lauter Grenzgänge, abrupt hin zum knallenden Gag oder schrittweise in die Dunkelheit. Zuletzt spielte er einen Drehbuchautoren und einen Präsidenten, zwei historische Figuren, kauzig, aber man nimmt sie wegen ihrer Talente, ihrem politischen Drive ernst. Dalton Trumbo geriet in den Fünfziger-Jahren als Mitglied der kommunistischen Partei ins Fadenkreuz der Regierung, war einer der Hollywood Ten, die vor dem Komitee für unamerikanische Umtriebe die Aussage verweigerten. Weshalb ein Arbeitsverbot über sie verhängt wurde. Trumbo schrieb unter Pseudonym weiter Drehbücher, darunter das oscarprämierte Skript für ein herz und krone, und setzte sich für die Rehabilitierung seiner Kollegen ein. Im Film lässt er zwischendurch die Unterwäsche fallen, um in der Badewanne an seinen Skripten zu feilen. Ein typisch komisches Cranston- Bild: Die Brille balanciert auf der Nase, die Zigarrenspitze steckt dandyhaft im Mund. Schaumgeborene Inspiration. Trumbo will trotz seines Arbeitsverbots seine Familie weiterhin versorgen. Robert Mazur versucht, die Verbrecherwelt von seiner eignen Haustür fernzuhalten. Präsident Lyndon B. Johnson, den Cranston in all the way mit Segelohrprothesen und viel Vergnügen am dampfigen Texaner-Sein gibt, verhält sich unter Stress schroff gegenüber seiner treu ergebenen Ehefrau. In einem Gang des Weißen Hauses trifft er kurz seine Tochter. Er sieht sie offenbar nur selten. Als sie weggeht, lässt er den Blick etwas länger stehen. Sowieso, Cranstons Augen: Wenn sie nicht hellwach die Umgebung mustern, blenden sie gedankenverloren die Außenwelt aus – der Blick fällt nach innen, dorthin, wo die Erinnerungen warten, die nächste Taktik ausgeheckt, die nächste Entscheidung getroffen werden muss. Lyndon B. Johnson, kurz LBJ, ist in der Darstellung Cranstons erneut eine gewiefte player-Figur, was er auch sein muss, um sich im Kampf für die Bürgerrechte der Schwarzen durchzusetzen. Ein reiner Gutmensch ist er dabei nicht: Gemeinsam mit Martin Luther King setzt er sich für den Erlass des Civil

Rights Acts ein und erhofft sich dadurch afroamerikanische Stimmen für seine Wiederwahl, nachdem er in sein Amt nur per Zufall, nach dem Attentat auf John F. Kennedy, gerutscht war. Der „Zufallspräsident“ möchte wahre Anerkennung, ähnlich wie Walter White, der ein Chef werden muss, um endlich nicht mehr belächelt zu werden. KLEINE SCHRITTE Den Aufstieg zum Star hat Bryan Cranston recht spät in seinem Leben geschafft. Den launigen Familienvater Hal begann er mit Mitte 40 zu spielen, den niedergeschlagenen, sich verwandelnden Familienvater Walter White mit Anfang 50. Nach vielen Nebenrollen und zahlreichen Einsätzen als Sprecher – 2016 lieh er dem Vater von Po in kung fu panda 3 seine charismatische Stimme – bekam er in den letzten Jahren große Kinorollen angeboten. Lyndon B. Johnson in all the way hatte er zuvor schon am Broadway gespielt und wurde dafür mit einem Tony Award ausgezeichnet. Im Frühjahr 2017 stand er für untouchable vor der Kamera, dem Remake des französischen Kinohits ziemlich beste FR, 23.6. 18.00 UHR CARL-ORFF-SAAL im Anschluss an die CineMerit-Verleihung freunde. Dabei übernahm er die Rolle, die François Cluzet im Original spielte: einen Querschnittsgelähmten im Rollstuhl, der sich schrittweise mit seinem Pfleger anfreundet. Zuvor drehte Cranston unter der Regie von Robin Swicord wakefield, basierend auf einer Kurzgeschichte von E.L Doctorow: eine Art Fenster zum hof, nur ohne Mord. Das Verbrechen ist hier, wenn überhaupt, ein soziales. Anwalt Howard Wakefield nimmt abends wie immer den Pendlerzug in einen New Yorker Vorort, wo er mit seiner Frau und zwei Töchtern lebt. Ein Stromausfall überrascht die Zugpassagiere – die Dunkelheit dringt abrupt in diesen Film ein und bringt Wakefield ein wenig aus dem Gleis. Angekommen vor dem Familienhaus, lässt er sich von einem Waschbären ablenken, der vor ihm in die gegenüberliegende Garage flüchtet. Wakefield folgt dem Tier, geht hoch auf den Dachboden. Aus einem Fenster kann er seine Familie beobachten; seine Frau, die auf ihrem Handy tippt, ihn anruft. Er drückt sie weg. Wakefield lässt sich auf einen alten Sessel sinken, nickt ein, schläft bis zum nächsten Morgen. Und richtet es sich in den folgenden Tagen, Wochen, Monaten im Dachboden ein. SA, 24.6. 20.00 UHR HFF AUDIMAXX Immer weiter entfernt sich Wakefield von seinem alten Leben, es ödete ihn sowieso an. Die Beziehung zur Ehefrau, zu seinen Kindern – im Lauf der Jahre freudlos geworden. Was gibt es zu verlieren? Sein Weg führt weg von der Familie, so, wie einst Cranstons Vater verschwand und erst Jahre später wieder auftauchte. Wakefield wählt die Einsamkeit, ein Pennerleben, aber mit Kontrollblick auf die Familie, deren Leben allmählich ohne ihn weiter geht. Dass man Wakefields Identitätskrise, hier nicht im Serienformat, sondern in Spielfilmlänge, folgen kann, ist erneut Bryan Cranston zu verdanken. Er macht die Entscheidungen, die inneren Bewegungen seiner Figur nachvollziehbar. Schritt für Schritt nimmt er uns mit, ohne dass wir recht merken, wie geschickt er unsere Gedanken, unsere Herzen infiltriert. MI, 28.6 15.30 UHR HFF KINO 2 Michael Stadler CINEMERIT AWARD — BRYAN CRANSTON WAKEFIELD USA 2016 • Regie Robin Swicord • Darsteller Bryan Cranston, Jennifer Garner, Jason O’Mara, Beverly D’Angelo, Ian Anthony Dale • Länge 108 Min. • OF 29

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