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FILMFEST MÜNCHEN MAGAZIN 2017

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PREISVERLEIHUNG &

PREISVERLEIHUNG & FILMMAKERS LIVE! Am Freitag, den 23.6., um 18.00 Uhr wird Bryan Cranston der CineMerit Award im Carl-Orff-Saal, Gasteig, verliehen. Im Anschluss daran wird sein neuer Film wakefield gezeigt – in Anwesenheit von Cranston und Regisseurin Robin Swicord. Die Gala-Preisverleihung ist öffentlich zugänglich, die Karten sind im freien Verkauf erhältlich. Außerdem ist Bryan Cranston zu Gast bei filmmakers live! am Samstag, den 24.6., um 18.00 Uhr in der Black Box, Gasteig. 24

BRYAN CRANSTON Meister der Eskalation GROSSE SCHRITTE Dass der Mann, der an Spielautomaten vorbei in eine Bowlinghalle tritt, wohl wahrlich nicht zu den Guten der Gesellschaft zählt, zeigt sich allein schon in seinem Gang. Seine Schultern schwingen im Rhythmus seiner Schritte selbstbewusst vor und zurück, aufrecht geht er an den Leuten vorbei – es ist der typische „swagger“ des kleinen Gangsters, der seine No-Bullshit-Attitüde sichtbar vor sich her trägt wie ein Wappen: Selbstschutz plus Warnung, dass man diesem Typ nicht quer kommen darf. Der Mann biegt zu den Bahnen ab. Eine schwarze, nicht gerade teure Lederjacke trägt er, weiß betont das Leder um die Schultern, und der Rock-Song auf der Soundspur, ja, der gehört nicht zur Bowlinghalle. Der Song gehört zu ihm. Der Mann setzt sich auf einen Sitz vor eine der Bahnen, die Kamera umkreist ihn. Und dann sieht man sein Gesicht: zerfurcht die Stirn, ein Walross- Schnauzer aus der White-Trash-Ecke und zwei Augen, die den Raum kurz scannen. Bis sie sich auf eine Kellnerin konzentrieren, mit der er flirtet, bevor ein anderer sich zu ihm setzt und eine Tasche ihren Besitzer wechselt. Auf diesen Deal gingen die Szene und der Mann zielstrebig zu. Aber es wird heiß, weil das Kabel, mit dem ein Mikro an seinem Körper angeklebt ist, Funken schlägt und ihm die Brust versengt. Der Böse ist also doch einer von den Guten; der Kleingangster ein Zoll- und Drogenagent, der sich undercover als Geldwäscher etabliert hat. Bob Musella nennt er sich, Robert Mazur ist sein wahrer Name. Er war maßgeblich daran beteiligt, dem Kartell von Drogenbaron Pablo Escobar ein paar tüchtige Schrammen zu verpassen. the infiltrator erzählt diese wahre Geschichte, ausgehend von Mazurs literarischem Bericht, als handfesten Thriller, der zwischen dem Kick des verdeckten Ermittelns und der plötzlichen Gewalt changiert, die das Spiel auf Messers Schneide bringen. Robert Mazur ist ein player, ein Schauspieler im Grunde, der seine Rolle authentisch geben muss, um am Leben zu bleiben. Es ist leicht vorstellbar, warum sich Bryan Cranston für diese Rolle förmlich CINEMERIT AWARD — BRYAN CRANSTON aufdrängte. Denn kurz vor Mazur hatte er einen Mann verkörpert, der ebenfalls in Gangsterkreisen verkehrt und den richtigen Habitus erstmal erlernen muss. Im Gegensatz zu Mazur wird jedoch Walter White, der unscheinbare Chemielehrer aus breaking bad, der wegen einer Krebserkrankung zum Crystal-Meth-Koch und Drogenboss – Spitzname: Heisenberg – mutiert, von seiner Rolle dermaßen aufgesogen, dass der blasse Normalbürger am Ende tatsächlich zum schillernden Kriminellen wird. Die Körperlichkeit, die Cranston dem Chemielehrer verpasste, ist eine ganz andere als die des Drogenagenten: Während Mazur den „swagger“ perfekt hinbekommt und später, wenn er den höheren Kreisen immer näher kommt, den Körper öffnet, die Arme zur Begrüßung gönnerisch weit ausbreitet, um seinen Kunden zu zeigen, dass er sicherlich nichts verbirgt, so krümmt sich White/Heisenberg immer mehr in sich hinein. Sind Whites eingefallene Schultern zu Beginn schlaffe Zeichen von Niedergeschlagenheit und Losertum, so verhärtet sich bei Heisenberg die geduckte Haltung zu einem angespannten Panzer. 25

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